Unsportlicher Gemeinderat weist GESAK zurück

Heute Nachmittag hat der Gemeinderat der Stadt Chur die 1. Etappe des GE-SAK’s (Gemeindesportanlagenkonzept) an den Stadtrat zurückgewiesen. Das gleiche Parlament, das vor zwei Jahren mit 21:0 Stimmen einen dringenden Nachholbedarf bei der Churer Sportinfrastruktur erkannte und in der Zwischenzeit fast CHF 2 Mio. Projektierungskosten für die Planung von neuen Anlagen ausgegeben hat, hat jetzt den Mut verloren und die Sportler im Regen stehen lassen. Die ICS und mit ihr die Sportvereine in Chur sind enttäuscht.

Verschiedene Umstände haben den erneuten „Scherbenhaufen“ bei der Realisierung von Sportanlagen heraufbeschworen:
•    Die mit dem GESAK gekoppelte Steuererhöhung hat sich als nicht mehr-heitsfähig erwiesen.
•    Die Kletterhalle wurde von Anfang an von weiten Kreisen in Frage gestellt und die Notwendigkeit einer neuen modernen Sporthalle wurde offenbar nicht erkannt.
•    Die schlechte Churer Finanzlage hat den Gemeinderat veranlasst, die Sportler als „Sündenböcke“ für ihre ablehnenden Argumente zu benutzen, um dem Stadtrat einen Strafzettel zu verpassen.
•    Der Sport hat im Gemeinderat offenbar keine Lobby.
•    An den über 30 Informationsveranstaltungen über das GESAK bei den Vereinen war kein Vertreter des Gemeinderates auszumachen.

Wie weiter ?

Der Gemeinderat nimmt es bewusst in Kauf, CHF 2 Mio. Projektierungskosten und ein gutes Projekt versanden zu lassen. Die dringenden Infrastrukturprobleme werden weiterhin mit Flickwerken, die schlussendlich viel teurer sind, zu lösen versucht. Die Obere Au platzt auch in Zukunft aus allen Nähten. Zu wenig Garderoben und fehlende Angebote für diverse Sportarten sind nur die Spitze des Eisberges. Eishockeyaner werden weiterhin in Grüsch trainieren, Fussballer weiterhin in Trübbach. Mit Ausnahme für den Schwimmsport können die städtischen Sportanlagen Churs keine moderne und national anerkannte Sportinfrastruktur anbieten. Die Anlagen drohen nun weiter zu veralten und schaden schlussendlich dem Ruf der „Sport- und Freizeitstadt“ Chur.

Die ICS wird in den nächsten Wochen zusammen mit den Sportvereinen eine Standortbestimmung vornehmen, über das weitere Vorgehen beraten und alle politischen Möglichkeiten prüfen und ausschöpfen, um dem Bau einer modernen Sportinfrastruktur zum Durchbruch zu verhelfen. Die politischen Behörden werden sich auf unbequeme Zeiten vorbereiten müssen, da der Sport weiterhin an der Forderung festhält, dass nach über 30 Jahren endlich wieder in Infrastruktur nachhaltig investiert wird. Wenn die Sportvereine jetzt zusammenhalten, können die 5000 Sporttreibenden und ihr Umfeld einiges bewegen, denn der Mangel an Sportinfrastruktur ist nachwievor unbestritten.

Gespannt darf man zudem beobachten, wie die politischen Behörden mit den zusätzlichen Forderungen der Kulturschaffenden nach einem neuen Zentrum umgehen werden. Zudem muss in wenigen Jahren der Schwimmballon auf der Oberen Au ersetzt werden und so weiter. Fast unlösbare Probleme! Oder doch nicht? Es wird Aufgabe der Lobbyisten sein, in der Stadt Geld locker zu machen.

Wir Sportler haben zum Schluss Fragen:
•    Wann haben unsere Anliegen im Gemeinderat wieder einmal ein Zeit-fenster, um angehört zu werden?
•    Muss der Sport weitere 30 Jahre auf eine zeitgerechte Infrastruktur warten?
•    Wie werden die fast nicht mehr zählbaren Verkehrskreisel in Chur finanziert?
•    Über 50 Prozent der Churer Kinder sind in einem Sportverein integriert und der Sport übernimmt einen grossen Teil der familienexternen Kin-derbetreuung. Wann wird dies honoriert?
•    Das städtische Umfeld wird immer bewegungs- und sportunfreundlicher, wann wird etwas dagegen unternommen?

Ein Fazit sei an dieser Stelle erlaubt. Es wird an den Sportlern liegen, bei den nächsten Wahlen 2012 zu beurteilen, wer ihre Anliegen vertritt und wer nicht.



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